Die 11. Minute beim Auftakt der Bundesliga-Rückrunde: Nach einem Rückpass von Badstuber zu Manuel Neuer gerät dieser von Gladbach´s Patrick Herrmann in Bedrängnis. Der flache Pass nach vorne kommt nicht an. Marco Reus bekommt den Ball und versenkt diesen eiskalt aus 30 Metern im leeren Tor der Bayern. Eine Blamage für die Münchener, ein schwarzer Tag für Manuel Neuer.
Schon wird behauptet, dass Neuer nicht für die Position des Stammtorhüters bei der Europameisterschaft 2012 geeignet sei. Dieser und andere dicke Patzer aus der Vergangenheit könnten im harten Wettbewerb von Jogi Löws Team spielentscheidend sein. Die vom Bundestrainer immer wieder geforderte Sicherheit im Spiel scheint bedroht, Manuel Neuer könnte in Polen und der Ukraine eine echte Schwachstelle werden. Zumindest, wenn es nach einigen Kritikern geht, die die generell vorzügliche Form des Ausnahmetalents herunterspielen.
Nicht nur gegen Borussia Mönchengladbach konnte der Keeper vom FC Bayern München in der Vergangenheit nicht überzeugen. Zu Anfang der Saison, beim Liga-total!-Cup, gab es eine ähnliche Situation, in der der gerade vom 1. FC Schalke 04 gekommene Youngster ins Hängen geriet.
Doch welche Alternativen hätte Jogi Löw für die EM 2012? Als Ersatzkeeper gesetzt ist zur Zeit Tim Wiese. Der Torwart von Werder Bremen liefert immer wieder konstant gute Leistungen ab, reagiert aber besonders bei nationalen und internationalen Turnieren oft ungehalten. Bei der Europameisterschaft könnte ein Dauereinsatz Wieses mit dem Risiko verbunden sein, eventuell Unruhe in der Defensive durch Verwarnungen gegenüber dem Keeper zu schüren. Für kurzfristige Einsätze aber sollte Tim Wiese der richtige Mann in Jogi Löws Team sein. In Frage käme generell auch Roman Weidenfeller. Doch seine Leistungen sind bei Borussia Dortmund zwar anschaulich und lobenswert, allerdings fehlt Weidenfeller die Konstanz im Spiel. In der A-Nationalmannschaft kam Weidenfeller noch nicht zum Einsatz.
Auf der Ersatzbank wird voraussichtlich der Hannoveraner Ron-Robert Zieler sitzen. Der erst 22-Jährige konnte sich innerhalb der letzten 12 Monate zum Stammtorhüter bei 96 arbeiten und legt eine beeindruckende Routine an den Tag. Doch ob der junge Zieler schon bereit für den Dauereinsatz bei einer Europameisterschaft ist, ist fraglich. Gladbachs ter Stegen und Leverkusens Bernd Leno scheinen derweil schon aus dem Rennen zu sein. Beide sind ebenfalls sehr jung, keiner von beiden hat bisher auch nur ein Spiel für die Nationalmannschaft bestritten.
Die Akte Manuel Neuer aber wird wohl früher geschlossen werden, als man sie überhaupt geöffnet hat. Natürlich gibt es Stimmen, die seine Tauglichkeit für die Nationalmannschaft anzweifeln. Fakt ist aber, dass Neuer mit seinen 25 Jahren bereits viel Erfahrung im Team von Bundestrainer Löw hat und diese Saison bisher in der Liga, international und beim DFB vorzügliche Leistungen abgelieferte. Einige Patzer waren, zugegebenermaßen, auch dabei. Allerdings wirken sich diese traditionell bei wahren Top-Torhütern eher negativ auf das Gesamtbild aus, als bei weniger im Fokus stehenden Keepern. Im direkten Vergleich mit anderen Anwärtern auf den Torwartposten in der Nationalmannschaft führt Neuer noch immer die Liste an. Ihm werden mit Abstand die besten Spiele zugeschrieben, Neuer war und ist die Sicherheit im Bayern-Spiel überhaupt. Und so werden es auch Jogi Löw und die Verantwortlichen bewerten. Eine Torwart-Diskussion sollte es zurzeit nicht geben.