Elzach (Behindertensport-News.de) – Wenn dieser Tage beim Vorsitzenden des Radfahrvereins Concordia in Prechtal das Telefon klingelt, kann durchaus sein dass der Anruf aus Moskau kommt und Katerina Pronina vom Nationalen Olympischen Komitee von Russland am anderen Ende der Leitung ist. Der Grund, Russland hat sein Para-Cycling Nationalteam für den Europacup in Elzach gemeldet. Da gibt es schon ein paar logistische Dinge zu klären, wie kommt das 14-köpfiges Aufgebot vom Frankfurter Flughafen ins Elztal, wo können die Russen zwei Autos mieten, wo werden sie schlafen, und ganz dringend, wo bekommt man auf die Schnelle ein renntaugliches Tricycle her. Da trifft es sich gut dass die Stadt Elzach Mitveranstalter ist und Bürgermeister Krezer die Absicht hat, jeder ausländischen Mannschaft eine sprachkundige Betreuungsperson zur Seite zu stellen.
Das Interesse an der zweiten Auflage des Europacuprennen für behinderte Radsportler ist enorm gestiegen und das hat mehrere Gründe. Zum Einen waren Aktive und Funktionäre hellauf begeistert von der Elzacher Premiere im vergangenen Jahr. Zum Anderen hat der RVC Prechtal zusammen mit Heinz Kleeb dem Koordinator für den Behindertensport im BDR, und Tobias Engelmann den Stellvertretenden Sportleiter im DBS bereits im Vorfeld eine große Werbekampagne gestartet. Zunächst ist es gelungen den Termin 24. bis 26. Juni für sich alleine zu haben, das heißt an diesem Wochenende findet nur noch in Accra/Ghana die Afrikameisterschaft statt. Danach wurden bei der Bahn-WM im Februar in Italien an alle teilnehmenden Nationen sowie an die Funktionäre mehrsprachige Infomappen verteilt, außerdem erhielten alle europäischen Verbände eine Einladung. Zugegeben ein enormer Aufwand, der sich aber zu lohnen scheint, denn die Teilnehmerzahl des Vorjahres wurde bereits erreicht, große Nationen wie Spanien, Italien, Frankreich, Niederlande, Schweiz, oder Österreich und Polen werden erwartet. Die Tschechen haben bereits ein großes Team gemeldet, aber auch Anmeldungen aus Albanien, Belgien, Griechenland, Dänemark und den USA liegen bereits vor.
Natürlich kommen auch fast alle deutschen Sportler, die erfolgreiche Nationalmannschaft startet wieder mit der Elzacherin Michaela Bitsch, dem Windener Yannik Reich, dem Freiburger Tobias Graf und Ellen Heiny aus Reute. Aber auch Ausnahmeathleten werden wieder in Elzach dabei sein, wie Andrea Eskau, die einzige Frau die sowohl bei der Sommerolympiade in Peking als auch bei den Winterspielen in Vancouver eine Medaille erkämpft hat, Wolfgang Sacher der kürzlich seine Biographie „ Der einarmige Bandit“ vorgestellt hat, oder Michael Teuber der 2010 seinen langjährigen Traum verwirklichen konnte, nämlich die Besteigung des höchsten Berges Afrikas des über 6000 Meter hohen Kilimandscharo. Das deutsche Nationalteam wird übrigens ohne seinen langjährigen und erfolgreichen Trainer Adelbert Kromer auskommen müssen, diese befindet sich derzeit zu einer Rehamassnahme in der neurologischen Klinik in Elzach.
Es gibt aber einen weiteren Grund dafür warum die besten Paracyclingsportler Europas nach Elzach kommen, die olympischen Spiele 2012 in London. Dort dürfen Anfang September nächsten Jahres nämlich nur 150 Männer und 70 Frauen an den Start gehen. Das Gerangel um die begehrten Tickets nach London hat bereits begonnen, schließlich gibt es weltweit über 1000 Sportler mit einer internationalen Startberechtigung und jeder möchte beim größten Spotereignis dabei sein.
Das Veranstalterteam des RVC Prechtal ist also wieder gefordert, an die Grenzen des Machbaren zu gehen. Die Vorbereitungen laufen entsprechend auf Hochtouren. Besonders das Einzelzeitfahren am Samstagmittag von Prechtal über Oberprechtal nach Rohrhardsberg stellen große Anforderungen. Schließlich müssen 18 Kilometer Landstraße abgesperrt werden. Dazu stellen die Feuerwehren von Elzach, Oberprechtal, und Schonach über 50 Männer ab, ebenso viele Helferinnen und der DRK-Bereitschaften Elzach, Prechtal, Oberprechtal, und Schonach stehen bereit, dazu kommt ein Rettungsfahrzeug des DRK. Für die Streckensicherung ist wieder Rolf Pleuler vom Polizeiposten Elzach zuständig. Mit seiner beruhigenden Umgehensweise wird er wieder für einen möglichst reibungslosen Ablauf sorgen. Rennchef der UCI ist der Spanier Enrique González Martinéz, er zeichnet zusammen mit Manfred Brune vom BDR, fünf Kommisären des Badischen Radsportverbandes, sowie dem bewährten RVC-Team dafür dass alle gefahrenen Zeiten stimmen und eine korrekte Ergebnisliste erstellt werden kann.
Das Einzelzeitfahren startet um 12 Uhr mit den Tricycles und den Handbike-Klassen der Damen über 6 Kilometer nach Oberprechtal. Die männlichen Handbiker müssen bis zum Waldparkplatz „Am Elzbach“ bis sie ihr Ziel sehen, das sind dann 12 Kilometer. Wer die Strecke hinauf zum „Mühlebühl“ kennt, der weiß wie steil es dann wird. Dort hinauf bis zum Parkplatz am „Rotenberg in Schonach-Rohrhardsberg müssen alle anderen. Die Solobikes und die Tandems, schwere 18 Kilometer. Aber die Fahrer waren letztes Jahr begeistert, aich von der herrlichen Schwarzwaldlandschaft.
Am Samstagabend findet dann auf dem Schulhof in Elzach die Siegerehrung statt, hier ist dann wieder das Team der Stadt Elzach für den Ablauf zuständig. Bereits am Samstagvormittag gibt Bürgermeister Krezer in der Steinberghalle einen Empfang für die Gäste.
Der Sonntag gehört wieder dem Straßenrennen auf dem inzwischen bewährten Rundkurs in der Kernstadt. Kurz, eckig, und nicht ungefährlich ist sie die Strecke vom Schulzentrum über das HdG bis zur Landstraße nach Biederbach. Viele Überrundungen und mehrere Klassen in einem Rennen erschweren die Aufgabe der Rennleitung. Um dennoch ein korrektes und bis zur Siegerehrung fertiges Ergebnis zu haben, hat der RVC ein komplettes Equipment der Spezialfirma „Sportronic“ angemietet. Mittels Transporter kann jedem Starter seine gefahrene Zeit zugeordnet werden. Die Zeit bis zur Siegerehrung um 17 Uhr vertreibt wieder das Jugendorchester Prechtal mit einem Konzert. Die Bewirtung der Gäste übernimmt wieder das bewährte RVC-Team, sowohl auf dem Schulhof als auch an der Rennstrecke werden die Gäste versorgt.
(Franz Bischoff)

