Europameisterschaften in Nazareth sollen zum Erfolgserlebnis werden

von cloudmarketing | 6. September 2011 | Rollstuhlsport | 0 Kommentare

Nazareth (Behindertensport-News.de) – Für den deutschen Rollstuhlbasketball sollen die Europameisterschaften im israelischen Nazareth zum Erfolgserlebnis werden. Vom 8. bis 17. September stellen sich die Damen- und die Herrenauswahl der kontinentalen Konkurrenz, wollen am Ende Edelmetall und das damit verbundene Ticket für die Paralympics 2012 in London im Rückreisegepäck haben. Dabei sind die Ausgangsvoraussetzungen der beiden deutschen Teams äußerst unterschiedlich, die Damen reisen als Europameister mit der Bürde des Titelverteidigers ins Heilige Land, die deutschen Herren wollen nach der verpassten WM-Qualifikation 2009 endlich wieder im Konzert der großen Namen mitmischen.

Trotz eines Verjüngungsprozesses im Team und einige teils überraschende Niederlagen in der Vorbereitung geht die deutsche Damen-Nationalmannschaft als klarer Favorit ins Rennen um den EM-Titel. Härteste Konkurrenten in der Gan Ner Arena von Nazareth sind der kommende Paralympics-Gastgeber Großbritannien und der traditionelle Kronprinz Niederlande. Ausgerechnet die aufstrebenden Britinnen haben sich dabei in diesem Sommer nahezu zum Angstgegner der Mannschaft von Bundestrainer Holger Glinicki gemausert. Drei Niederlagen bei den Testspielen des Paralympic World Cup in Manchester zuletzt in Hamburg untermauern die Ambitionen Großbritanniens eine europäische Palastrevolution im Rollstuhlbasketball anzetteln zu wollen. Bereits in den beiden Auftaktspielen am 10. und 11. September wird es somit in den Duellen gegen diese beiden Gegner eine klare Standortbestimmung geben.

Der achtmalige Europameister aus Deutschland, der in einer bisher nie dagewesenen Serie zuletzt fünfmal in Folge den EM-Thron bestiegen hat, geht dennoch auch im Jahr des Umbruchs als großer Favorit ins Rennen und sollte in Israel im Verlauf eines langen Turniers mit acht Partien binnen acht Tagen den längeren und vor allem international erfahrenen Atem haben. Leistungsträgerinnen im deutschen Team sind dabei zweifelslos die beiden Topscorerinnen Marina Mohnen und Gesche Schünemann sowie die „Lowpointerin“ Annika Zeyen. Letztgenannte, die in den USA für die University of Alabama auf Korbjagd geht, gilt auf ihrer Position als die weltbeste Spielerin. Aber auch die Leistung von Kapitän Mohnen, die gerade aus der italienischen Liga zurück zu den Köln 99ers gewechselt ist, und ihrer Kollegin Schünemann vom Weltpokalsieger RSV Lahn-Dill sind für einen deutschen Erfolg unverzichtbar. Dann jedoch beginnt für das Trainerduo Holger Glinicki und Corinna Robitschko das Pokern, den aufgrund von zahlreichen Alternativen komplettieren zwei Spielerinnen des Quintetts Annabel Breuer, Britt Dillmann, Maya Lindholm, Edina Müller oder Johanna Welin die Starting Five des Team Germany. Doch egal wer am Ende auflaufen wird, für die ING-DiBa Korbjägerinnen kann nur der Titel zählen.

Team Germany Damen: Mareike Adermann (University of Wisconsin/USA), Nadine Bahr (Hamburger SV), Annabel Breuer (Ulmer Sabres), Britt Dillmann (RSV Lahn-Dill), Heike Friedrich (Mainhatten Skywheelers), Maria Kühn (SV Reha Augsburg), Maya Lindholm (Hamburger SV), Marina Mohnen (BADS Quartu Sant´Elena/Italien), Edina Müller (Hamburger SV), Gesche Schünemann (RSV Lahn-Dill), Johanna Welin (USC München), Annika Zeyen (University of Alabama/USA).

Crew: Holger Glinicki (Bundestrainer, Hamburg), Corina Robitschko (Co-Trainerin, Wunstorf), Timo Bauer (Teammanager, Hamburg), Dr. Jürgen Völpel (Teamarzt, Gießen), Pia Briegel (Physiotherapeutin, Pohlheim), Alexandra Hlawan (Sportpsychologin, Frankfurt/Main).

Spielplan Damen: Deutschland – Niederlande (Sa., 10.9., 11:45 Uhr MESZ), Deutschland – Großbritannien (So., 11.9., 9:00 Uhr), Deutschland – Spanien (So., 11.9., 18:00 Uhr), Deutschland – Türkei (Mo., 12.9., 15:45 Uhr), Deutschland – Israel (Di.,13.9., 15:45 Uhr), Deutschland – Frankreich (Mi., 14.9., 15:45 Uhr), Halbfinale (Fr., 16.9.), Finalspiele (Sa., 17.9.).

Die deutsche Herrenauswahl reist dagegen mit ganz anderen Voraussetzungen an und will in Nazareth erst wieder ins Konzert der Großen aufgenommen werden. Zuletzt gelang dies mit je zwei EM-Bronzemedaillen in den Jahren 2002 und 2007, bei der Qualifikation für die letzten Weltmeisterschaften scheiterte das DRS-Team jedoch und war 2010 in Birmingham nur in der Rolle des enttäuschten Zuschauers. Neu formiert und seit November des letzten Jahres unter der Leitung von Bundestrainer Nicolai Zeltinger, konnte die Mannschaft in der bisherigen Vorbereitung bereits mehrmals für eine deutliche Duftnote auf dem internationalen Parkett sorgen. In der Vorrundengruppe A bekommt es die Mannschaft um Kapitän Sebastian Wolk aus Frankfurt nun mit den Teams aus Frankreich, den Niederlanden, Polen, Spanien und Schweden zu tun. Vize-Weltmeister Frankreich sowie die in der Gruppe B beheimatete Konkurrenz aus Großbritannien und Italien zählen im Kreise der zahlreichen Mitfavoriten zu den größten Anwärtern auf den EM-Titel. Dabei haben aber auch die Türkei, Polen oder aber Gastgeber Israel zusammen mit dem deutschen Team haben Außenseiterchancen und würden am Ende gern mit Edelmetall im Gepäck die Heimreise antreten.

Im Hinblick auf die fünf zu vergebenden Paralympics-Tickets könnte dank der automatischen Qualifikation von Großbritannien als Gastgeber erstmals sogar der sechste EM-Rang für die Teilnahme an den Spielen 2012 ausreichen. „Noch nie schien es so einfach und gleichzeitig aufgrund der enormen Leistungsdichte in Europa auch so schwierig zu sein, sich für die Paralympics zu qualifizieren“, bringt Bundestrainer Zeltinger die Ausgangslage auf den Punkt.

Auch wenn die Mannschaft den Eindruck eines im Aufbruch befindlichen Kollektivs vermittelt, ist die Rolle von Topscorer Dirk Passiwan für das Team dennoch unbestritten. Der Trierer Scharfschütze befindet sich aktuell in einer bestechenden Form und ist mit US-Legionär André Bienek zusammen der offensive Schlüssel im deutschen Spiel. Aber auch Kapitän Sebastian Wolk, Routinier Dirk Köhler oder aber die jungen Wilden um Thomas Böhme und Jan Haller spielen ebenso wie Lowpointer Björn Lohmann eine zentrale Rolle in der neu formierten Auswahl von Trainer Zeltinger.

Team Germany Herren: Deutschland: Thomas Becker (Köln 99ers), André Bienek (University of Wisconsin/USA), Thomas Böhme (RSV Lahn-Dill), Thomas Gundert (RSV Lahn-Dill), Jan Haller (RSV Lahn-Dill), Matthias Heimbach (Jena Caputs), Dirk Köhler (RSV Lahn-Dill), Andreas Kress (Mainhatten Skywheelers), Björn Lohmann (Köln 99ers), Sebastian Magenheim (USC München), Dirk Passiwan (IMMOVESTA Dolphins Trier), Sebastian Wolk (Mainhatten Skywheelers).

Crew: Nicolai Zeltinger (Bundestrainer, Gießen), Bruce Enns (Co-Trainer, Bremerton/USA), Christoph Küffner (Teammanager, Bamberg), Petra Michel-Leutheuser (Teamärztin, Lich), Bärbel Börgel (Physiotherapeutin, Hamburg), Markus Ocasek (MEYRA-Techniker, Vlotho).

Spielplan Herren: Deutschland – Schweden (Fr., 9.9., 15:45 Uhr MESZ), Deutschland – Spanien (Sa., 10.9., 11:45 Uhr), Deutschland – Polen (So., 11.9., 13:30 Uhr), Deutschland – Niederlande (Mo., 12.9., 15:45 Uhr), Deutschland – Frankreich (Di., 13.9., 18:00 Uhr), Viertelfinale (Do., 15.9.), Halbfinale (Fr., 16.9.), Finalspiele (Sa., 17.9.).

(Andreas Joneck)