Berlin (BS-News) – Neun Minuten hat es gedauert, dann ist dem deutschen Team unter der Führung von Bundestrainerin Silvia Neid der erste WM-Treffer gelungen. Dies war der erfahrenen Frankfurter Nationalspielerin Kerstin Garefrekes, die in diesem Jahr 32 Jahre alt wird, gelungen. Nach einer Flanke von links köpfte sie den Ball ins Tor. Man merkte deutlich, dass dieser Treffer für die deutsche Mannschaft ein deutlicher Befreiungsschlag war. Ein wenig von dem Druck, der sich in den vergangenen Tagen und Wochen aufgebaut hatte, fiel den deutschen Frauen von den Schultern. Der Treffer der Frankfurterin war aber nur der Aufgalopp eines torreichen Spieles, dem auch viel Fußball-Prominenz beiwohnte: Franz Beckenbauer, Günter Netzer, Joseph Blatter sowie Bundespräsident Christian Wulff sowie Bundeskanzlerin Angela Merkel warn nur einige der anwesenden Prominenz.
Wulff war es denn auch vorbehalten, die WM im mit über 70 000 Zuschauern ausverkauften Berliner Olympiastadion zu eröffnen. Bundestrainerin Silvia Neid hatte für einige Fans auch eine kleine Überraschung parat. Nicht Inka Grings sondern Okoyino da Mbabi stand in der Startelf der Deutschen als einzige offizielle Angreiferin. Das war faktisch auch die einzige Änderung im Vergleich zur Auftaktbegegnung von 2007, die man mit damals 11:0 gegen Argentinien gewinnen konnte.
Die Partie gegen Kanada – der WM-Auftakt – ist übrigens das 213 WM-Spiel von Kapitän Birgit Prinz, die gegen Kanada zudem ihr 23. WM-Länderspiel bestritten hat. Damit ist Prinz nicht nur Rekord-Nationalspielerin, sondern hält auch bei Weltmeisterschaften den Rekor aus deutscher Sicht.
Ebenfalls im Mittelpunkt währen der Weltmeisterschaften stehen könnte die deutsche Torhüterin Nadine Angerer. Im Spiel gegen Kanada war die gebürtige Fränkin, die für Turbine Potsdam in der Bundesliga spielt, nur selten geprüft. Aber wenn, dann war Angerer auch zur Stelle, egal, ob aus dem Spielfluss oder bei Standardsituationen. Ihr Ziel ist es, so wie bei der WM 2007 in China, auch bei der Heim-Weltmeisterschaft wieder ohne Gegentor zu bleiben. Bis zur 83. Minute sah es gut aus. Dann schafften es die Kanadierinnen mit einem Freistoß-Tor, die deutsche Torhüterin erstmals bei einem WM-Länderspiel überhaupt zu überwinden. 2003 stand noch Silke Rottenberg im deutschen Tor, Angerer war nur Ersatz. Damit ist die deutsche Torfrau bislang in ihrer WM-Geschichte noch ohne Gegentor geblieben – fast 8 Spiele lang (671. Minuten). Apropos 2003: damals war es Nia Künzer, die mit ihrem Treffer die deutsche Mannschaft zum ersten Weltmeistertitel führte. Neben zahlreichen Europameistertiteln gelang es Deutschland bei den letzten beiden Olympischen Spielen ebenfalls, eine Medaille zu gewinnen. Zweimal Bronze ist hier die Bilanz. Die nächste Möglichkeit bei Olympia könnte sich 2012 in London ergeben.
Nach dem deutschen Treffer gelang der Deutschen Mannschaft in der ersten Hälfte noch die ein oder andere gute Chance. Allerdings kamen die Spielerinnen von Trainerin Silvia Neid nicht 100 % zu ihrem Spiel. Für den Sieg des FIFA-Ranglisten-2 Deutschland gegen die auf der FIFA-Weltrangliste auf Rang 6. platzierten Kanadierinnen. Ein kleiner Ausblick: die nächste Fußball-Weltmeisterschaft 2015 der Frauen findet übrigens in Kanada statt. Bei der dann 7. Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen werden dann statt der bislang 16 Mannschaften 24 beim WM-Turnier mit dabei sein. Damit trägt auch die FIFA der Entwicklung im Frauen-Fußball Rechnung. 2014 findet darüber hinaus die U20-Weltmeisterschaft der Frauen in Kanada statt.
Apropos: bei der ersten Weltmeisterschaft im Frauenfußball (Japan) waren gerade einmal sieben deutsche Fans mitgereist. Beim heutigen WM-Auftakt in Berlin – übrigens war dies das erste Frauenländerspiel in Berlin – waren es 73.680. Das Stadion war ausverkauft. Deutlich mehr Tickets hätten verkauft werden können.
Deutschland: Nadina Angerer, Linda Bresonik, Anike Krahn, Saskia Bartusiak, Babette Peter, Simone Laudehr, Kim Kulig, Kerstin Garefrekes, Birgit Prinz (Alexandra Popp), Melanie Behringer (70. Fatimire Bajramai), Celia Okoyino da Mbabi (65. Inka Grings)
Tore: 1:0 Garefrekes (9.), 2:0 Okoyino da Mbabi (42) 2:1 Sinclair (82)
Gelbe Karten: Linda Bresonik, Simone Laudehr
Zuschauer: 73.680 (ausverkauft)
Schiedsrichterin: Jakqui Melksham (Australien)
